Mikrozirkulation – die terminale Strombahn

Die Kenntnis der Vorgänge der Trophik (Brügger sprach von der Infrastruktur) ist eine grundlegende Voraussetzung zum Verständnis aller therapeutischen Interventionen, da erst diese das Leben und Überleben der Zellen garantiert. Ist die Grundlage des Stoffwechsels, die Versorgung und Entsorgung der Zellen mit “Stoffen” gestört, führt das unweigerlich zu schwersten Störungen der Zellen, der Gewebe und der Organe.

Deshalb dazu an dieser Stelle einmalige Einblicke in das Funktionieren dieses Transportsystems. Die Filme wurden vom damaligen Institut für den wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen produziert.

Patientenbeispiel Nr. 1: Struktur vs Funktion

Bei der Diagnostik von Bewegungsstörungen stellt sich immer wieder die Frage, ob diese primär eine strukturelle Ursache haben, d.h.  strukturell bedingt sind, oder ob es sich um eine reine Funktionsstörung handelt, bei der der nsB primär für die Änderung des Bewegungsmusters oder für das Auftreten von *reflektorischen” Schmerzen verantwortlich ist.

Das sind auch die Fragen bei dem folgenden Patienten:

Ist das Hinkmuster des Patienten primär strukturell, d.h, durch eine Läsion bedingt oder lässt es sich als Manifestation des nsB erklären?

Die normalen Phasen des menschlichen Gehens

Zur Analyse der Gehbewegungen des Menschen wird ein Gangzyklus üblicherweise in verschiedene Gangphasen zerlegt.

Das war auch die Idee dieser historischen Aufnahmen von E.J. Marey, einem der Pioniere der Kinematographie. Mittels einer selbstentwickelten Methode – der Chronophotographie – gelang es ihm nach jahrelangem Experimentieren, mehrere Sequenzen eines Bewegungsablaufes auf einem Negativ gleichzeitig zu belichten, wodurch der ganze Ablauf einer Bewegung ähnlich einer Stroboskop Aufnahme in seinem zeitlichen Muster ersichtlich wurde.

Bekannt sind solche Bilder, die die ganze Sequenz eines gehenden/rennenden Menschen auf einem Bild zeigen und durch die Markierung der Extremitäten mit weissen Linien noch anschaulicher machen …

bis zur völligen Abstraktion, welche nur noch einen Strichmenschen zeigt, um so die Gangspuren deutlicher zu erkennen.

Ähnliches publizierten Braune & Fischer in ihrem legentären Buch “Der Gang des Menschen” im Jahre 1895.

Mit den heutigen digitalen Techniken macht man vom Prinzip her noch immer das gleiche.

Die folgenden Bildsequenzen stammen aus dem Buch von O. Bronner welche eine enge Mitarbeieterin von S. Klein-Vogelbach war. Die Aufnahmen wurden damals in den 1980-er Jahren im Ganglabor der Orthopädischen Klinik Basel noch analog aufgezeichnet. Dieses gehörte damals unter der Leitung von Prof. Baumann zu den führenden Labors auf der Welt.

Einen kompletten Gangzyklus kann man auf diesen Bildern aus dem Buch von O. Bronner sehen.

Jacquelin Perry ist die andere grosse Dame, welche sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Erforschung des menschlichen Gehens und seiner Störungen befasst und dies in Ihrem Standardwerk “Ganganalyse” beschrieben hat.

Man kann auf dem Titelbild erkennen, dass die Marey’schen Bilder noch bis in die heutige Zeit nachwirken!

Ihre Schülerin, Kirsten Götz-Neumann unterrichtet nach dem System Perry in Deutschland

Die Gangphasen nach Perry sehen so aus. Sie unterscheiden sich in der Terminologie etwas von der üblichen deutschsprachigen Wortwahl.

Überträgt man diese Nomenklatur auf diejenige von Klein-Vogelbach, sieht eine Schrittphase so aus.

Damit sind die Grundlagen zur Analyse der menschlichen Gehbewegungen gelegt und können nun in eindeutiger Weise angewandt werden.

 

Muskelaktivtäten des normalen Ganges

Neben der rein phänomenologischen Beschreibung der einzelnen Gangphasen ist es wichtig, die zugehörigen Aktivitätszustände der Muskeln in den beteiligten Gelenken zu kennen.

Das ganze Bewegungsmuster Gehen kann so Gelenk für Gelenk “muskulär aufgeschlüsselt” werden und Synergien im Ablauf können erkannt werden.

Neben anderen hat sich damit auch Perry beschäftigt und diese in Ihrem bereits erwähnen Buch “Gait Analysis” beschrieben.

Im Folgenden werden diese Muskelaktivitäten Gelenk für Gelenk bezogen auf die Gangphasen wiedergegeben.

Hüftgelenk

Kniegelenk

Sprunggelenk und Fussgelenke

OGE – Reloaded

Der Obolenskaja-Goljanitzki Effekt – kurz OGE – war zu Brüggers Zeiten ein geflügeltes Wort. Immer wieder hiess es in den Patientenbesprechungen, der Patient hätte einen OGE, wobei dieser Effekt ziemlich undifferenziert auf die unterschiedlichsten Gewebe bezogen wurde.

Doch was ist genau mit diesem OGE gemeint? Was genau haben die beiden Autoren Obolenskaja und Goljanitzki  1927 publiziert? Wie können deren Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden, da die Experimente ja am Kaninchen gemacht wurden. Gibt es neuere Arbeiten, die diese Thesen stützen? Und falls ja, was ist die adäquate Therapie?

Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden. Doch zuerst zur Einstimmung, der Originalartikel aus dem Jahre 1926!

 

Hier wird noch gearbeitet