Die Beinachsen des Menschen oder warum nicht alle Menschen mit auswärts orientierten Füssen gehen können

Brügger

Inhaltsverzeichnis

1     Brügger

Im Oktober 1990 erschien im Band 4/Heft 1 der Zeitschrift “Funktionskrankheiten des Bewegungsapparates” ein sehr schöner Beitrag von Christine Götting und Ilse Just mit dem Titel “Analyse des menschlichen Ganges under physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen – basierend auf der Lehre der Funktionskrankheiten des Bewegungsapparates nach Dr. Brügger”, welcher im Folgenden wiedergegeben wird.

 

Im Kapitel “Merkmale der aufrechten Körperhaltung beim Gehen” kann man auf Seite 100 lesen:

… beide Füsse in Aussenrotationsstellung -Abstossphase vom Grosszehenballen in Pronationsstellung des Fusses – die Achse des unteren Sprunggelenkes zeigt in die Gangrichtung …”

und umgekehrt bei “Merkmale der krummen Körperhaltung beim Gehen

… das abstossende Bein ist in Innenrotations-, Adduktions- und Flexionsstellung – die Füsse sind innenrotiert und adduziert – die Achsen des unteren Sprunggelenkes zeigen nach innen und nicht in die Gangrichtung – der abstossende Fuss befindet sich in einer Supinationsstellung – der aufgesetzte Fuss ist vermehrt in Supinationsstellung …”

Im nächsten Kapitel “Analyse der einzelnen Körperabschnitte in der aufrechten und krummen Haltung” liest man unter “1a) Belastung des Fusses in der aufrechten Haltung”

“Zu dem Bewegungsmuster der aufrechten Körperhaltung gehört u.a. (siehe oben) die Beckenkippung mit der Aussenrotation und Flexion der Hüftgelenke, sowie der Aussenrotation der Füsse“.

Weiter unten wird die Ansicht folgendermassen begründet:

Es entstehen immer wieder Diskussionen darüber, wie weit denn die Füsse nach aussen aufgesetzt werden sollen; es werden Gradzahlen verlangt, damit die Füsse korrekt eingestellt werden können.

In der Phase des Ganges, in der die Ferse des Schwungbeines vorn aufgesetzt wird, steht der Fuss in Supinationsstellung. In der Phase, in der der Abstoss durch die Grosszehe erfolgt, steht der Fuss in Pronationsstellung (siehe Abbildung 8 rechts).

Folgerichtig muss die Achse, um die sich die Pronation und Supination des Fusses während der Abrollphase abspielt, in die Gangrichtung eingestellt werden (Abbildung 9a).

Original aus Lanz-Wachsmuth – Bein und Statik

Die Pro- und Supinationsbewegung des Fusses spielt sich vorwiegend im unteren Sprunggelenk ab. Die Herstellung des muskulären Gleichgewichtes zwischen Pro- und Supinatoren ist ein wichtiger Teil der Gangschulung”

Unter “1b) Fussbelastung in der krummen Körperhaltung” lesen wir:

“In der krummen Körperhaltung mit der Beckenaufrichtung, der Innenrotation, Adduktion und Extension in den Hüftgelenken kommt es zum parallelen bis einwärtsrotierten Aufsetzen und Abrollen des Fusses. Die mit dieser Fussstellung einhergehende vermehrte Arbeit der Fuss- und Zehenflexoren, bringt häufig Kontrakturen oder Ödeme (Obolenskaja-Goljanitzki-Effekt) mit sich.”

Diese Aussagen repräsentieren den Stand des Wissens 1990. Natürlich habe ich mich gefragt, ob dem heute auch noch so ist. Zur Prüfung dazu habe ich die Bücher von Sabine Kubalek-Schröder/F. Dehler “Funktionsabhängige Beschwerdebilder des Bewegungssystems”  – Springer Verlag 2. Auflage/2013 und das Buch “Funktionskrankheiten des Bewegungssystems nach Brügger” von C. Koch-Remmele/R.Kreutzer – Springer Verlag 2007 konsultiert.

   

 Im Buch von Kubalek-Schröder/Dehler lesen wir auf Seite 248 ff folgendes:

“Durchführung der Gangschule
Zwei Aspekte stehen im Vordergrund, an denen auch die ersten wesentlichen Korrekturen ansetzen: – Einnahme der thorakolumbalen Lordose über die Thoraxhebung, – Außenrotation der Füße am Boden.”

“Als Orientierungshilfe für das ideale Maß der Außenrotation der Beinachsen dient die Pro-, Supinationsachse im unteren Sprunggelenk (. Abb. 6.126). In der Schwungbeinphase befindet sich der Fuß im Moment des Aufsetzens der Ferse in Supination, in der Phase des Abstoßens mit der Großzehe in Pronation. Die Achse, um welche diese wechselnde Bewegung stattfindet, sollte daher in Fortbewegungsrichtung eingestellt werden, um die Pro- und Supinatoren im funktionellen Gleichgewicht zu halten; dies entspricht physiologischen Kon- und Dekontraktionsimpulsen”

Illustriert wird diese Aussage mit folgenden Bildern:

Diese Beschreibung der idealen Fussstellung beim Gehen entspricht von der Vorgabe und der Argumentation her also exakt den Aussagen von Götting/ Just womit man schlussfolgern kann, dass die “Sollvorstellung” der Brügger Therapie noch immer die ist, dass die Achse des USG, welche mit der Pronations – Supinationsachse gleichgestellt wird, nach vorne zeigen soll. (Korrekterweise sollte man von Inversions/Eversionsachse sprechen. Die Pronations/Supinationsachse ist damit nicht identisch¨).

In den meinen Ausführungen werde ich zeigen, dass diese Vorstellung oder Sollvorgabe differenzierter betrachtet werden muss und im Prinzip in dieser Absolutheit nicht stimmt.

2 Antworten auf „Die Beinachsen des Menschen oder warum nicht alle Menschen mit auswärts orientierten Füssen gehen können“

  1. Ja , da ist sie wieder die Frage: was bedingt was? Die Muskeln die Knochen oder die Knochen die Muskeln? Was beeinflusst was und was ist die beste Art was zu beeinflussen! Kann ich über Gelenkeinstellungsverbesserungen die Muskeln beeinflussen oder beeinflusse ich die Muskeln, damit die Gelenkstellung sich verändert? Und was hält besser? Ist es bei allen Patienten gleich? Ist nicht das Maß des Erfolges, dass sich die Kontrollbefunde verbessern??? Also wie weit drehe ich auswärts, so dass sich etwas verbessert? So habe ich das nun bei der Brüggerausbildung verstanden, dass vieles nicht genau bestimmbar ist und erklärbar ist, aber das sie Verbesserung der Kontrollbefunde eine eindeutige Sprache sprechen. Egal ob ossär bedingt oder muskulär veränderbar!

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