Liebscher und Bracht – Bedenkliches zum Hohlkreuz

Die folgende Abbildung zeigt die durchschnittliche Form einer menschlichen Wirbelsäule in deren seitlicher Ansicht.

Man kann erkennen, dass diese entgegen dem im Wort Wirbelsäule enthaltenen Begriff “Säule” keine solche ist, da die einzelnen Bauteile der Wirbelsäule, die Wirbel, nicht alle genau übereinander stehen. Bei einer echten Säule, wie der unten abgebildeten griechischen Säule, stehen die Elemente lotrecht in einem stabilen Gleichgewicht übereinander und bedürfen keiner zusätzlichen Haltevorrichtungen.

Bei der Wirbelsäule des Menschen jedoch stehen die einzelnen Bauelemente, die Wirbel, nicht senkrecht übereinander, sondern sie sind in einer gekrümmten Form angeordnet.

Deswegen spricht man von den Wirbelsäulenkrümmungen. Wenn man die Wirbelsäulenform mit der gestrichelten roten Geraden vergleicht, kann man sehen, dass es in der Hals- und Lendenwirbelsäule zwei Einbuchtung oder “Höhlungen” gibt. Medizinisch bezeichnet man das als “Lordose“. Das Umgekehrte – die Ausbuchtung – nennt man “Kyphose“. Eine solche findet sich im Brustwirbelsäulenbereich und beim Kreuz- und Steissbein.

Volkstümlich wird der Lendenbereich als Kreuz bezeichnet, der wie wir jetzt wissen, lordotisch ist. Das eigentliche Kreuz aber wäre aus anatomischer Sicht das Kreuzbein. Dieses ist aber, wie erwähnt, kyphotisch nach hinten gekrümmt , also ausgebuchtet .

Damit wird klar, dass es streng genommen das hohle Kreuz gar nicht gibt,

1. weil das Kreuz nicht die Lende ist und
2. weil das Kreuzbein eben kyphotisch geformt ist

Die Lendenwirbelsäule hingegen ist eingebuchtet, also hohl, womit man konsequenterweise von “hohler Lende” sprechem müsste. Wenn man also von “Hohlkreuz” spricht und damit die volkstümliche Zuordnung zur Lendenwirbelsäule meint, muss man sich fragen, was man dagegen überhaupt zu tun hat, da “hohl” ja normal ist?

Wir merken uns

dass die Wirbelsäule nicht gerade ist, sondern gekrümmt und dass “hohl” im Lendenbereich normal ist.