Patientenbeispiel Nr. 2: Manifestation des nSB bei Status nach Schenkelhalsfraktur rechts

Das seitliche Hüfthinken nach Pauwels

Das seitliche Hüfthinken nach Pauwels

Friedrich Pauwels, der grosse Pionier der modernen Biomechanik, hat in seiner Monographie “Der Schenkelhalsbruch ein mechanisches Problem -Grundlagen des Heilungsvorganges – Prognose und kausale Therapie” bereits 1935 das Gangbild eines Patienten mit einer Schenkelhals Pseudarthrose anhand kinematographischer Aufnahmen analysiert.

Seitliches Hüfthinken nach Pauwels

Mittels der bekannten Abbildung der “Pauwels Waage” wird das seitlich Hüfthinken erklärt:

Auf dem rechten Schema eines Beckens sind die wirksamen Kräfte mit den entsprechenden Hebelarmen für den Normalfall eingezeichnet. Der Schwerpunkt S5  der Oberkörpermasse greift dabei an einem relativ langen Lastarm OC an und muss durch ein entsprechendes Gegendrehmoment der Abduktoren M x OB im Gleichgewicht gehalten werden. Die resultierende Kraft R wirkt beanspruchend auf den Schenkelhals. Diese Beanspruchung ist abhängig von

  • der Länge des Lastarmes OC
  • des Betrages der Kraft S5
  • der Länge des Kraftarmes OB und
  • des Betrages der  Kraft M
Kräftegleichgewicht zur Entlastung des Femurs

Sämtliche Parameter wirken nun umgekehrt entlastend auf den Schenkelhals. Auf dem linken Bild ist eine Möglichkeit dargestellt, die der Verminderung der Beanspruchung dient; die Verkleinerung des Lastarmes OC, welche durch die Translation des Oberkörpers realisiert wird.

Pauwels schreibt dazu:

„… kann aber auch das seitliche Hüfthinken bei erhaltener Größe des Drehungsmomentes der Muskelkraft eine intuitive, zielstrebende Maßnahme des Körpers sein, welche die Entlastung des Traggerüstes, also des insuffizienten coxalen Femurendes erstrebt und dementsprechend im Sinne eines „non vult” gedeutet werden muss.
Wir finden das seitliche Hüfthinken deshalb folgerichtig in den Fällen, bei welchen die Tragfähigkeit des coxalen Femurendes herabgesetzt ist, also bei Frakturen oder Erweichungsprozessen in seinem Bereiche auch dann, wenn keine Insuffizienz des Drehungsmomentes der Muskelkraft vorliegt.”

Die vollständige vektorielle Analyse nach Pauwels kann man hier lesen:

Konklusion

Mit diesen Ausführungen wird klar, dass das seitliche Hinken, oder der Duchenn’sche Hink Mechanismus oder die verkürzte Standbeinphase der Entlastung des insuffizienten Traggerüstes dienen kann.

Damit man eine Vorstellung hat, wie gross die Kräfte und Drehmomente und damit die Beanspruchungen am Femur sein können, muss diese Werte kennen.