Patientenbeispiel Nr. 2: Manifestation des nSB bei Status nach Schenkelhalsfraktur rechts

Der folgende Fall ist ein interessantes Beispiel einer möglichen  Manifestation des nozizeptiven somatomotorischen Blockierungseffektes – kurz nsB. Wenn man diesen biologischen Schutzmechanismus nicht kennt, wird man zu Fehlinterpretationen verleitet.

Es wird gezeigt, dass das Hink Muster einer Patientin mit einer operativ versorgten, aber noch nicht vollständig durchgebauten Schenkelhalsfraktur des rechten Femurs, noch nicht belastbar ist und die hohen Kräfte, die bis das 4- fache des Körpergewichtes ausmachen können, nicht tolerieren.

Durch eine Modifikation des Bewegungsmusters beim Gehen = Hinken sorgt der nsB für eine bestmögliche Reduktion der Belastung und Beanspruchung der Fraktur. 

Der Vergleich des initialen Bewegungsmusters mit demjenigen, welches 3.5 Monates später aufgezeichnet wurde, zeigt, dass sich dieses normalisiert hat, obwohl sich die reine Kraft der Abduktoren nicht verbessert hat, was als Beweis für die Wirkung des nsB gilt.

Mittels einer Analyse der Muskelfunktion beim Stehen, im Einbeinstand und beim Gehen wird gezeigt, dass die Kraft der rechten Abduktoren definitiv nicht für das Hinken verantwortlich ist und dass auch kein Trendelenburg’sches Hinken stattfindet. 

Markus Friedlin Oktober 2017/Februar 2018

(Alle eingefügten Bilder können durch Klicken in ihrer  Originalgrösse angezeigt werden)

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Liebscher und Bracht – Bedenkliches zum Hohlkreuz

Diesen Beitrag habe ich vor ca. einem Jahr geschrieben, als ich das erste Mal mit den Ansichten von LnB konfrontiert wurde, als mir eine Patientin davon erzählte.

Nachdem ich das Video über das Hohlkreuz auf der Seite von LnB gesehen hatte, dachte ich, dass ich diese dilettantischen Aussagen so nicht stehen lassen kann und habe vorallem für meine Patienten einen erklärenden Aufsatz geschrieben, der diese in die Lage versetzt ein fachliches Urteil abzugeben.

Wie man sehen kann, hat Herr Liebscher nicht einmal die einfachsten anatomischen, physiologischen und physikalischen Gegebenheiten begriffen …

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Mikrozirkulation – die terminale Strombahn

Die Kenntnis der Vorgänge der Trophik (Brügger sprach von der Infrastruktur) ist eine grundlegende Voraussetzung zum Verständnis aller therapeutischen Interventionen, da erst diese das Leben und Überleben der Zellen garantiert. Ist die Grundlage des Stoffwechsels, die Versorgung und Entsorgung der Zellen mit “Stoffen” gestört, führt das unweigerlich zu schwersten Störungen der Zellen, der Gewebe und der Organe.

Deshalb dazu an dieser Stelle einmalige Einblicke in das Funktionieren dieses Transportsystems. Die Filme wurden vom damaligen Institut für den wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen produziert.

Patientenbeispiel Nr. 1: Struktur vs Funktion

Bei der Diagnostik von Bewegungsstörungen stellt sich immer wieder die Frage, ob diese primär eine strukturelle Ursache haben, d.h.  strukturell bedingt sind, oder ob es sich um eine reine Funktionsstörung handelt, bei der der nsB primär für die Änderung des Bewegungsmusters oder für das Auftreten von *reflektorischen” Schmerzen verantwortlich ist.

Das sind auch die Fragen bei dem folgenden Patienten:

Ist das Hinkmuster des Patienten primär strukturell, d.h, durch eine Läsion bedingt oder lässt es sich als Manifestation des nsB erklären?

Die normalen Phasen des menschlichen Gehens

Zur Analyse der Gehbewegungen des Menschen wird ein Gangzyklus üblicherweise in verschiedene Gangphasen zerlegt.

Das war auch die Idee dieser historischen Aufnahmen von E.J. Marey, einem der Pioniere der Kinematographie. Mittels einer selbstentwickelten Methode – der Chronophotographie – gelang es ihm nach jahrelangem Experimentieren, mehrere Sequenzen eines Bewegungsablaufes auf einem Negativ gleichzeitig zu belichten, wodurch der ganze Ablauf einer Bewegung ähnlich einer Stroboskop Aufnahme in seinem zeitlichen Muster ersichtlich wurde.

Bekannt sind solche Bilder, die die ganze Sequenz eines gehenden/rennenden Menschen auf einem Bild zeigen und durch die Markierung der Extremitäten mit weissen Linien noch anschaulicher machen …

bis zur völligen Abstraktion, welche nur noch einen Strichmenschen zeigt, um so die Gangspuren deutlicher zu erkennen.

Ähnliches publizierten Braune & Fischer in ihrem legentären Buch “Der Gang des Menschen” im Jahre 1895.

Mit den heutigen digitalen Techniken macht man vom Prinzip her noch immer das gleiche.

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Muskelaktivtäten des normalen Ganges

Neben der rein phänomenologischen Beschreibung der einzelnen Gangphasen ist es wichtig, die zugehörigen Aktivitätszustände der Muskeln in den beteiligten Gelenken zu kennen.

Das ganze Bewegungsmuster Gehen kann so Gelenk für Gelenk “muskulär aufgeschlüsselt” werden und Synergien im Ablauf können erkannt werden.

Neben anderen hat sich damit auch Perry beschäftigt und diese in Ihrem bereits erwähnen Buch “Gait Analysis” beschrieben.

Im Folgenden werden diese Muskelaktivitäten Gelenk für Gelenk bezogen auf die Gangphasen wiedergegeben.

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Die Beinachsen des Menschen oder warum nicht alle Menschen mit auswärts orientierten Füssen gehen können

Das Thema Beinachsen begleitet mich seit meiner Grundausbildung. Immer wieder stelle ich fest, dass leider bei vielen Kollegen und Kolleginnen elemtares Grundwissen über die Variabiltäten des Beinskelettes nicht vorhanden ist.

Insbesondere die verschiedenen Verhältnisse der Rotationen – der Antetorsion des Femur und die Retrotorsion der Tibia – sind massgebend für die Orientierung des Fusses bei der Vorwärtsbewegung.

Nur aufgrund einer differenzierten Untersuchung dieser ossären Verhältnisse kann schlussendlich die Orientierung des Fusses bei der Gehbewegung beurteilt werden und darauf aufbauend können realistische Empfehlungen für ein Soll-Gangmuster erteilt werden.

Kennt man diese Faktoren nicht, werden möglicherweise falsche Bewegungsmuster erarbeitet, die dann wiederum das ganze System stören.

Im Folgenden werde ich drei völlig konträre Ansichten über die Normvorstellung der Fussorientierung beim Gehen vorstellen und danach die jeweiligen Begründungen dafür diskutieren.

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OGE – Reloaded

Der Obolenskaja-Goljanitzki Effekt – kurz OGE – war zu Brüggers Zeiten ein geflügeltes Wort. Immer wieder hiess es in den Patientenbesprechungen, der Patient hätte einen OGE, wobei dieser Effekt ziemlich undifferenziert auf die unterschiedlichsten Gewebe bezogen wurde.

Doch was ist genau mit diesem OGE gemeint? Was genau haben die beiden Autoren Obolenskaja und Goljanitzki  1927 publiziert? Wie können deren Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden, da die Experimente ja am Kaninchen gemacht wurden. Gibt es neuere Arbeiten, die diese Thesen stützen? Und falls ja, was ist die adäquate Therapie?

Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden. Doch zuerst zur Einstimmung, der Originalartikel aus dem Jahre 1926!

 

Hier wird noch gearbeitet